c/o Jürgen u. Gisela Meyer
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"Organspende schenkt Leben" heißt es in der Werbekampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, doch bei Licht besehen wird auch ins Leben eingegriffen, nämlich in das des Spenders. Denn grundsätzlich sind nur lebensfrische Organe zur Übertragung geeignet. Das Dilemma ließ sich auch nicht durch die Einführung des "Hirntods" als neuen Tod bei lebendigem Leib beseitigen, weil die meisten Menschen eine genaue Vorstellung von Tod und von einer Leiche haben. Wem bewußt ist, daß die Organe einem Patienten entnommen werden, dessen Herz noch schlägt, der warm und durchblutet ist, der Fieber und Schüttelfrost haben kann, der beatmet, gepflegt und ernährt wird, der Verdauung hat und Urin ausscheidet, der Narkose-, Schmerz und muskelentspannende Mittel erhält, der konditioniert, d.h. mit Medikamenten und Hormonen auf einen Empfänger eingestellt wird, der bei Schwangerschaft ein Kind austragen kann und der nach Herzsstillstand sogar reanimiert werden kann, wird sich sehr genau überlegen, ob er einen Spenderausweis haben will. Dazu kommt, daß die schutzlosen Sterbenden nicht bis zuletzt von ihren Angehörigen begleitet werden können und daß kein Mediziner weiß, was ein Sterbender noch wahrnimmt, dem bei schlagendem Herzen Organe entnommen werden.
Deshalb verwundert es einmal nicht, daß die an sich positive Einstellung zur Organspende stark abnimmt, wenn der sog. Hirntod hinterfragt wird. Dies belegt eine Umfrage des chirurgischen Instituts der Universität Köln vom März 2004 (Presse-Info 47/2004).
Zum zweiten scheint die einseitige und unkritische Werbung für Organspende eher das Mißtrauen als die Spenderbereitschaft zu fördern. Anders ist es nicht zu verstehen, daß nach der genannten Umfrage nicht nur 70 % der Bevölkerung sondern sogar 38 % der Transplantationsmediziner befürchten, daß es bei Organspende zu Mißbrauch in Form von Organhandel kommt.
Mißbrauch ist auch bei anderen Körperteilen zu beklagen, die nicht unter das Transplantationsgesetz fallen. Die Gier nach menschlichen Ersatzteilen ist so groß, daß häufig ohne jede Einwilligung Haut, Knochen und Körpergewebe entnommen werden. Selbst der Organspendebefürworter Hans-Ulrich Schreiber von der Bundesärztekammer meint, es müsse verhindert werden, daß "die Ärzte wie Stare um den OP-Tisch stehen" und den menschlichen "Abfall" begehren (Süddeutsche Zeitung vom 13.5.2004). Offenbar führt die Transplantationsmedizin zu einer Verrohung, bei der jeglicher Respekt vor der Würde des Menschen verloren geht. Diese Entwicklung zeigt, daß die Organspende ein Irrweg ist.
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