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Kritische Informationen der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland
zum Thema Organspende / Lebendspende / Transplantation / Hirntod

Neues zum Thema Organspende / Transplantationsmedizin / Hirntod

30.08.12: Spitzentreffen im Bundesgesundheitsministerium zu Transplantationsskandalen verspricht mehr Transparenz und Kontrolle bei Organspenden

Spitzenterffen im Bundesgesundheitsministerium zur OrganspendeVor dem Hintergrund der jüngsten Transplantationsskandale in Göttingen und Regensburg (siehe die Themenspecials unten) hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am 27.08.12 zu einem Spitzenvertretergespräch zum Thema Organspende geladen. Teilnehmer der Gesprächsrunde waren Vertreter der Länder, des GKV-Spitzenverbandes, der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), der Stiftung Eurotransplant, der Deutschen Transplantationsgesellschaft, der Bundesärztekammer (BÄK), der ständigen Kommission Organtransplantation sowie die Überwachungs- und Prüfungskommission bei der Bundesärztekammer. Dabei beschlossen die Akteure ein umfangreiches Maßnahmepaket, mit dem das verloren gegangene Vertrauen in die Organspende wieder hergestellt werden soll.

Verstärkte Kontrollen in den Transplantationszentren

Im Kern sollen unter anderem die Kontrollen in den Transplantationszentren intensiviert und die Prüfungskommission kurzfristig um weitere unabhängige Experten erweitert werden. Um Manipulationen möglichst zu vermeiden, soll in allen Transplantationszentren über die Aufnahme in die Wartelisten und deren Führung eine interdisziplinäre Transplantationskonferenz unter Gewährleistung eines mindestens Sechsaugenprinzips entscheiden. Dabei ist eine medizinische Fachrichtung einzubeziehen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin hat und direkt dem ärztlichen Direktor der Klinik untersteht. Die anlassbezogenen Prüfungen der Prüfungskommission nach Paragraf 12 des Transplantationsgesetzes (TPG) seien bereits intensiviert und eine Task Force eingesetzt worden. Auf Grund der Erkenntnisse aus Göttingen und Regensburg würden zurzeit alle Transplantationszentren auf Auffälligkeiten überprüft. Auch werde die Prüfungskommission zukünftig flächendeckende unangekündigte Stichprobenprüfungen bei allen Transplantationszentren durchführen, versprachen die Akteure.

Transparenzverbesserung und Vermeidung von Fehlanreizen

Des Weiteren soll die Transparenz in Sachen Transplantationen verbessert werden. "Transparenz ist zur Stärkung des Vertrauens der Bevölkerung in alle Prozesse der Organspende und Organtransplantation unabdingbar. Die Auftraggeber werden der Öffentlichkeit die Tätigkeitsberichte der Prüfungs- und der Überwachungskommissionen unter Beachtung des Schutzes personenbezogener Daten und von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen regelmäßig zugänglich machen. Sie werden zukünftig jährlich im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt", versprachen die Akteure in der gemeinsamen Erklärung. Die Beteiligten seien sich einig, dass die Richtlinien nach §16 TPG in einem transparenten Verfahren erlassen werden und Öffentlichkeit hergestellt werden muss. Eine Verstärkung der Rechtsaufsicht hierüber durch den Bund werde geprüft. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Bundesärztekammer wollen bis zum 1. November 2012 bei der Prüfungskommission eine Stelle zur - auch anonymen - Meldung von Auffälligkeiten und Verstößen gegen das Transplantationsrecht in den Krankenhäusern einrichten.

Symbolbild OrganentnahmeAls weitere Maßnahem sollen Fehlanreize wie Sondervereinbarungen über Bonuszahlungen für bestimmte Leistungsmengen in der Transplantationsmedizin vermieden werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft habe sich für die Abschaffung entsprechender finanzieller Anreize ausgesprochen und werde die Anpassung der Musterverträge vornehmen. "Die Krankenhäuser werden zu einer Selbstverpflichtung aufgefordert. Erste Krankenhausträger haben solche Verträge bereits gekündigt", hieß es.

Konsequenzen bei Regelverstößen und mehr Kontrolle der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)

Regelverstöße gegen die Vorgaben des Transplantationsgesetzes und der Richtlinien müssen nach Ansicht der Teilnehmer des Treffens Konsequenzen haben. "Je nach der Schwere des Verstoßes reicht das Spektrum von Sanktionsmöglichkeiten über arbeits- und berufsrechtliche Maßnahmen bis hin zu Maßnahmen des Ordnungswidrigkeiten- und Strafrechts einschließlich der vorübergehenden Schließung von Transplantationsprogrammen". Die Maßnahmen sollen nun auf eventuelle Verschärfungen überprüft werden.

Mit Blick auf die Kritik an der Arbeit der für die Organverteilungen zuständigen Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wurde auch hier Besserung gelobt. "Wir haben die Transparenz und Kontrolle über die DSO am 1. August 2012 bereits verbessert. So hat die DSO grundsätzliche finanzielle und organisatorische Entscheidungen den Spitzenverband Bund der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Bundesärztekammer unverzüglich vorzulegen. Auch hat die DSO jährlich einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen. In Zukunft werden Bund und Länder neben dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundesärztekammer und der Deutschen Transplantationsgesellschaft im Stiftungsrat der DSO mit Sitz- und Stimmrecht vertreten sein. Hierzu wird der Stiftungsrat sofort Gespräche mit den Ländern aufnehmen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Zudem sollen der Spitzenverband Bund der Krankenkassen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Bundesärztekammer zusammen mit den Ländern den DSO-Stiftungsrat organisatorisch unterstützen und hierfür eine unabhängige Geschäftsstelle benennen.

Qualitätssicherung und einheitliche Datenerhebung

Unabhängig von den aktuellen Vorfällen soll auch überprüft werden, ob die Qualität der transplantationsmedizinischen Versorgung noch weiter verbessert werden kann. Deshalb werde der für die Ausgestaltung der Qualitätssicherung verantwortliche Gemeinsame Bundesausschuss gebeten, zu prüfen, ob die schon etablierten Verfahren der Qualitätssicherung, die bereits heute die meisten Transplantationen umfassen, ausreichend und geeignet sind, die Qualität zu beurteilen, diese weiterzuentwickeln und die Ergebnisse in den Qualitätsberichten transparent zu machen.

Abschließend hieß es, das Bundesministerium für Gesundheit werde einen Diskussionsprozess über eine einheitliche Datenerhebung für den gesamten Prozessablauf in der Transplantationsmedizin vorantreiben.
 

Reaktionen auf das Spitzentreffen zu den Transplantationsskandalen

Die Ergebnisse des Spitzentreffens mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur Organspende löste ein gemischtes Echo aus. In diversen Zeitungs- und Blogkommentaren wurden die Ergebnisse relativ kritisch beurteilt (siehe dazu z.B. die Artikel im FAZ-Net Blog Biopolitik "Der Humor des Bundesgesundheitsministers und die Transplantationsmedizin" und in der Welt "Beruhigungspille im Organspendeskandal" unten). Auch von Verbänden und Abgeordneten kam Kritik.

Runder Tisch zur Organspende enttäuschend

E. BryschDer Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch zeigte sich in einer Pressemitteilung enttäuscht über das Ergebnis des Runden Tisches Organspende. "Bahr und die Fraktionen im Deutschen Bundestag kommen an einer Neuregelung des Transplantationsrechtes in Deutschland nicht vorbei. Ohne Beteiligung von kritischen Ärzten, Juristen und Ethikern wird das nicht gelingen. Das heutige Treffen hat jedoch bewiesen: Dazu fehlt bislang jede Bereitschaft. So kann das Vertrauen der Bevölkerung nicht wieder hergestellt werden", so sein ernüchtertes Fazit.

Brysch fordert daher "ein Ende von Grauzonen und abgeschobener Verantwortung". "Weder dürfen private Akteure die Organspende in Deutschland organisieren noch über Leben und Tod entscheiden. Zeitpunkt und Inhalt des Gesprächs mit den Angehörigen sind gesetzlich festzulegen. Auch Patienten sollten erfahren können, an welcher Stelle der Warteliste sie stehen. Ebenso ist die Anzahl der Transplantationszentren auf maximal 25 zu reduzieren. Das beschleunigte Verfahren muss Teil eines neuen Transplantationsgesetzes werden und die absolute Ausnahme sein", bekräftigte Brysch.

Täuschen mit Zahlen

Im Vorfeld des Spitzentreffens hatte am selben Tag die Bundesärztekammer endlich auf ihrer Webseite die Prüfberichte von Allokationsauffälligkeiten bei Transplantationen veröffentlicht. Wie es in einer Presseerklärung dazu heißt, wurden in den Jahren 2000 bis 2011 in Deutschland 50.739 Organtransplantationen an Eurotransplant gemeldet, konkret 43.536 Postmortalspenden und 7.203 Lebendorganspenden. "In diesem Zeitraum hat die Prüfungskommission, in gemeinsamer Trägerschaft von GKV-Spitzenverband, Deutscher Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer, in 119 ihr zur Kenntnis gebrachten Fällen Allokationsauffälligkeiten überprüft. In 31 Fällen wurden Verstöße unterschiedlichen Schweregrades festgestellt, davon sind bis dato 21 Verstöße weiteren Institutionen zugeleitet worden". Die Dokumentation der abgeschlossenen Prüfungen kann auf der Internetseite der Bundesärztekammer abgerufen werden.

Ebenso wurde von den zuständigen Stellen beschlossen, den parlamentarischen Verantwortungsträgern alle Jahresberichte von Prüfungs- und Überwachungskommission seit Einsetzung der beiden Kontrollgremien, d.h. von 2001 bis 2011 zur Verfügung zu stellen. Auch diese sind nun online abrufbar. Mit der Veröffentlichung der Jahresberichte soll laut Mitteilung der Bundesärztekammer "die Transparenz der Arbeit der Kontrollgremien noch weiter verbessert und damit dem besonderen Informationsinteresse von Parlament und Öffentlichkeit entsprochen werden". Bisher waren die Berichte öffentlich nicht zugänglich.

F. U. MontgomeryDer Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, beschwichtigte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk dazu auf die Frage, ob er fest davon ausgehe, dass es sich um Einzelfälle handle, wenn manipuliert werde. "Wir haben 50.000 Fälle in den letzten zehn Jahren in den Kommissionen analysiert, wir haben 119 Auffälligkeiten gefunden und 20 Verstöße gegen die Richtlinien der Verteilung. Da kann man weder von Mafia, noch von großflächigem kriminellem Verhalten sprechen. Wir haben es wirklich mit einem Einzelfall zu tun, und da sind wir uns ziemlich sicher heute", so Montgomery wörtlich.

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung warnte davor, die Zahlen der Auffälligkeiten zu bagatellisieren. "Zwar stimmt es, dass in den letzten elf Jahren 50.000 Transplantationen vorgenommen wurden, jedoch fand nur in ein bis fünf Prozent der Fälle eine Überprüfung statt. Somit sind bei durchschnittlich 1200 Untersuchungen 121 Auffälligkeiten festgestellt worden. Das sind rund zehn Prozent der Fälle. Bisher schweigt die Prüfungskommission der Bundesärztekammer dazu", heißt es in der Presseerklärung. Im Klartext bedeutet das, die Zahlen sehen besser aus, als sie in Wahrheit sind. Auch in diversen kurzen Agenturmeldungen war leider nichts von Stichproben zu lesen sondern nur von absoluten Zahlen. So entsteht für Laien der Eindruck, dass es sich nur um eine geringe Zahl an Auffälligkeiten handelt im Vergleich zur Gesamtzahl der Transplantationen. In Wirklichkeit dürfte die Dunkelziffer erheblich höher liegen.

Flickschusterei statt notwendiger Reformen

Kritik an den Ergebnissen des Treffens kam auch von den Linken. "Bahr will alles weitgehend beim Alten lassen und nur kleine Korrekturen im bestehenden System vornehmen. Es ist zu bezweifeln, dass auf diese Weise das verloren gegangene Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger wiederhergestellt werden kann", erklärte Kathrin Vogler, stellvertretende Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer Pressemitteilung vom 28.08.12.

Besonders "empörend" sei es, dass Bahr zunächst die bisherigen Akteure des Transplantationsverfahrens einlädt, sich mit ihnen auf ein Maßnahmenbündel einigt und sich danach erst mit den Vertretern der Legislative trifft. "Wer genau die Organisationen und Verbände, unter deren Regie bislang schon die Organspende und auch die Skandale liefen, mit der Ausarbeitung von Lösungen betraut, braucht sich nicht zu wundern, dass keine wirklich durchdringenden Reformen herauskommen. Eine solche Flickschusterei aber wird den Herausforderungen und den Erwartungen Tausender, die dringend ein Spenderorgan brauchen, nicht gerecht", erklärte Vogler.

Fraktionsspitzen und Fachexperten fordern weitere Maßnahmen

K. VoglerEinen Tag nach dem Spitzentreffen der Verbände unterrichtete Bundesgesundheitsminister Bahr die Fraktionsvorsitzenden und Fachexperten über die Ergebnisse des Gesprächs. Über das Fraktionstreffen berichtete lediglich Kathrin Vogler von den Linken, andere Abgeordnete hielten sich zurück. "Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es bei den Plänen nicht bleibt, die Herr Bahr am Montag mit der Ärztekammer und Verbänden vereinbart hat. Aus mehreren Fraktionen kommt der Ruf nach staatlicher Aufsicht. Es schafft sicherlich mehr Vertrauen, wenn die Koordinierung der Organspende nicht über die DSO läuft, sondern über eine Behörde, die dem Parlament rechenschaftspflichtig ist", kommentierte Vogler das Fraktionstreffen.

"Wir dürfen nicht über bröckelnden Putz einfach neue Farbe streichen. Das System der Organspende und -vergabe ist zu sehr geschlossen. Darum müssen wir nicht nur die Prüfung und Überwachung des Transplantationssystems verbessern, sondern auch ran an die Koordinierung der Organspende", so Vogler. Sie sei "sehr erfreut, dass es da vorsichtig positive Signale aus anderen Bundestagsfraktionen" gebe. "Gemeinsam sollten wir dies im Parlament umsetzen, auch wenn die bisherigen Akteure, also Bundesärztekammer und DSO, und das Gesundheitsministerium sich noch dagegen stemmen", forderte Vogler.

Wichtig sei, dass sich der Bundestag "schnell und ernsthaft" damit befasst und sich dabei nicht vom Ministerium oder der Ärztekammer vorschreiben lasse, in welche Richtung sie nachdenken. In zwei Wochen gebe es eine erste Sondersitzung im Gesundheitsausschuss zum Thema Organspendeskandal. "Ich hoffe, dass wir uns dann schnell auf gemeinsame Ziele verabreden und entsprechende Gesetze auf den Weg bringen können. Das muss auf jeden Fall noch vor den nächsten Wahlen erfolgen", bekräftigte die Abgeordnete der Opposition.

Vor dem Gipfeltreffen von Gesundheitsminister Daniel Bahr mit Vertretern der Transplantationsmedizin hat der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, gesetzliche Änderungen in Aussicht gestellt. "Es ist nun Sache der beteiligten Organisationen an der Organspende, auch der Ärzteschaft, das Vertrauen wiederherzustellen. Falls dazu gesetzliche Änderungen nötig werden, ist meine Fraktion bereit, kurzfristig darüber zu beraten und im Bundestag zu entscheiden", sagte Steinmeier der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" am 26. August.

Weiterführende Informationen:

Presseschau zum Spitzentreffen zu den Transplantationsskandalen

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl an Meldungen zum Spitzentreffen zu den Transplantationsskandalen. Diese Zusammenstellung wird gegebenenfalls weiter ergänzt.

31. August 2012

Transplantationsmedizin: Montgomery für Balance zwischen Staat und Selbstverwaltung
Berlin – Eine ausschließlich staatliche Kontrolle der Transplantationsmedizin angesichts des jüngsten Skandals lehnt der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, strikt ab.
AERZTEBLATT.DE 31.08.12

Universitätskliniken: Zahl der Transplantationszentren senken
AERZTEBLATT.DE 31.08.12

"Hirntote sind keine Leichen"
Professorin Alexandra Manzei zur Debatte über Organtransplantation: „Wer als Bürger seine Organe spenden will, obwohl er weiß, dass er als Hirntoter nicht tot ist, soll das machen“, aber sie selbst möchte „weder Organe spenden noch erhalten".
KATH.NET 31.08.12


30. August 2012

Wie ein Hirntoter zum Organspender wird
Von Alina Schadwinkel
Der Organspende-Skandal hat Deutschland verunsichert. Was dürfen Ärzte? Wie sicher ist der Weg der Organe? ZEIT ONLINE zeigt, wie Herz und Niere die Empfänger erreichen.
ZEIT Online 30.08.12

19-Jährige nach Hirntod-Diagnose aufgewacht
Von Jörg Isringhaus und Jennifer Koch
In Dänemark wird der Fall einer jungen Frau diskutiert, die nach einem schweren Unfall von Ärzten für hirntot und zur Organspenderin erklärt worden war. Kurz darauf konnte sie durch eine Operation gerettet werden. In Deutschland sei das nicht vorstellbar, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
RP-Online 30.08.12

DGVS positioniert sich zu Organspende
Berlin – In der derzeitigen Transplantationsdebatte fordert die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), das Augenmerk auf die Patienten zu lenken, die auf ein Spenderorgan warten. Die DGVS begrüßt ausdrücklich die im Spitzentreffen des Bundes-gesundheitsministeriums am Montag dieser Woche diskutierten Bestrebungen um mehr Transparenz, konsequente Aufsicht und Kontrolle und ein reguliertes Vorgehen bei Organtransplantationen.
PRESSEMITTEILUNG Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften 30.08.12

Organspende-Skandal: Warum nicht eine Niere kaufen?
Ein Gastbeitrag von Slavenka Drakulic
In Europa gibt es viel zu wenig Organspender. Jedes Jahr sterben deshalb tausende Menschen - allein in Deutschland sind es etwa 3000. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, ob der Organhandel legalisiert werden sollte.
SUEDDEUTSCHE.DE 30.08.12


29. August 2012

Ankündigung schärferer Kontrollen bei Transplantationen nicht ausreichend: Fraktionsspitzen und -expertInnen fordern weitere Maßnahmen
Bericht zum Treffen der Fraktionsvorsitzenden und -expertInnen
„Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es bei den Plänen nicht bleibt, die Herr Bahr am Montag mit der Ärztekammer und Verbänden vereinbart hat. Aus mehreren Fraktionen kommt der Ruf nach staatlicher Aufsicht.
PRESSEMITTEILUNG Kathrin Vogler MdB, DIE LINKE. 29.08.12

Organspenderin für hirntot erklärt: In der Klinik wachte Carina plötzlich wieder auf!
Von Ingrid Raagaard
Kopenhagen – Eigentlich sollte Carina (19) heute tot sein. Eigentlich sollten alle ihre Organe das Leben anderer Menschen gerettet haben. Aber die Dänin ist quicklebendig und geht auf Partys – wie jede andere junge Frau auch!
BILD.DE 29.08.12

Bischöfe von Trier und Speyer werben für Organspenden
DOMRADIO 29.08.12


28. August 2012

Der Humor des Bundesgesundheitsministers und die Transplantationsmedizin
Oliver Tolmein
Ein schöneres Wort als "Organspendenkrisengipfel" wird es 2012 wohl nicht mehr geben.
FAZ.NET Blog Biopolitik 28.08.12
Anm.: Lesenwerter Hintergrundbericht, der die Problematik auf den Punkt bringt.

Nur Flickschusterei statt notwendiger Reformen
"Bahr will alles weitgehend beim Alten lassen und nur kleine Korrekturen im bestehenden System vornehmen. Es ist zu bezweifeln, dass auf diese Weise das verlorengegangene Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger wiederhergestellt werden kann", mahnt Kathrin Vogler, stellvertretende Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Bundestages, im Vorfeld des Treffens von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mit den Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen zu den Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal.
PRESSEMITTEILUNG Kathrin Vogler MdB, DIE LINKE. 28.08.12

Organspende: Was sich nach dem Skandal nun ändern soll
von Rainer Woratschka
Der Transplantationsskandal hat das Vertrauen vieler Menschen in die Organspende zerstört. Die Verantwortlichen wollen es jetzt wiederherstellen - unter anderem mit härteren Sanktionen.
TAGESSPIEGEL 28.08.12

Bahr will strengere Kontrollen bei Organspenden
von Rainer Woratschka
Nach den Skandalen von Göttingen und Regensburg sollen die Kontrollen bei Organtransplantationen verschärft und Manipulationen härter bestraft werden.
TAGESSPIEGEL 28.08.12

Beruhigungspille im Organspendeskandal
Mit einer großen Pressekonferenz und unverbindlichen Absichtserklärungen werden die jüngsten Klinik-Unglücke zu den Akten gelegt
Von Philipp Neumann
WELT Online 28.08.12

124.000 Euro für ein neues Herz
Organspende in Deutschland
Trotz viel Bürokratie müssen Transplantationen schnell gehen. Organe werden deshalb meist nachts transportiert, notfalls mit dem Hubschrauber.
von Simone Schmollack
TAZ 28.08.12


27. August 2012

Organspendeskandal: Bonus abschaffen, staatliche Kontrolle erhöhen
Skandale bei der Organspende soll es künftig nicht mehr geben. Gesundheitsminister Bahr hat zu einem Treffen geladen. Ihm selbst sind die Hände gebunden – bisher jedenfalls.
Von Philipp Neumann
WELT Online 27.08.12

Nach Organspendenskandal: Spitzentreffen bei Gesundheitsminister Bahr
Nach dem Organspendeskandal wächst der Druck auf Bundesärztekammer, Kliniken und Bundesregierung, mit Reformen Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen.
FOCUS Online 27.08.12

Spitzentreffen nach Skandal in Göttinger Klinik: So soll die Organspende kontrolliert werden
SUEDDEUTSCHE.DE 27.08.12

Organspende in Deutschland: "Das ganze System muss auf dem Prüfstand"
Gesundheitsminister Bahr will mit schärferen Kontrollen neue Skandale bei der Organspende verhindern. Ärzten und Experten geht das nicht weit genug – sie beklagen strukturelle Fehler bei der Vergabe und den Finanzen.
HANDELSBLATT 27.08.12

Spitzentreffen zu Organspende: Bahr will staatliche Kontrolle forcieren
Der Gesundheitsminister zieht Konsequenzen aus dem Organspendeskandal: Bei einem Spitzentreffen in Berlin hat Bahr angekündigt, die Vergabe der Spenderorgane besser zu beaufsichtigen.
SPIEGEL Online 27.08.12

Spitzentreffen nach Organspende-Skandal: Wirksame Kontrolle ist das Ziel
Die Liste der Vorschläge für Konsequenzen aus dem Skandal um die manipulierte Vergabe von Spenderorganen an den Universitätskliniken Göttingen und Regensburg ist lang.
TAGESSCHAU.DE 27.08.12

Manipulationen bei Organspenden: Spitzentreffen will mehr Kontrolle für Kliniken
Mit schärferen Kontrollen und mehr staatlicher Aufsicht sollen Manipulationen bei Organspenden in Deutschland künftig verhindert werden.
TAGESSCHAU.DE 27.08.12

Organspende unter staatlicher Kontrolle
Von Mira Gajevic
Patientenschützer fordern, die Organspende staatlich zu überwachen, Ärztepräsident Montgomery lehnt das ab. Gesundheitsminister Bahr setzt auf ein Mehr-Augen-Prinzip.
FRANKFURTER RUNDSCHAU 27.08.12

Spitzentreffen zum Organspendeskandal Minister Bahr will mehr staatliche Kontrolle
Gesundheitsminister Daniel Bahr hat angekündigt, die Organspende künftig stärker von Beamten kontrollieren zu lassen. Kliniken wehren sich strikt gegen die Bevormundung der ärztlichen Selbstprüfung.
STERN.DE 27.08.12

Runder Tisch zur Organspende aus Sicht der Patientenschützer enttäuschend
Zu dem heute bekannt gewordenen Ergebnis des Runden Tisches Organspende erklärt der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch:
Berlin. „Bahr und die Fraktionen im Deutschen Bundestag kommen an einer Neuregelung des Transplantationsrechtes in Deutschland nicht vorbei. Ohne Beteiligung von kritischen Ärzten, Juristen und Ethikern wird das nicht gelingen.
PRESSEMITTEILUNG Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung 27.08.12

Kontrolle in der Transplantationsmedizin: Bahr will Länder stärker beteiligen
Berlin – Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) drängt auf rasche Konsequenzen aus dem Organspendeskandal.
AERZTEBLATT.DE 27.08.12

Spitzengespräch zu den Manipulationsvorwürfen in den Transplantationszentren der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitätsklinikums Regensburg
Kontrolle verstärken, Transparenz schaffen, Vertrauen gewinnen
Auf Einladung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sind heute der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Herr Minister Storm und die Vertreterin der Kultusministerkonferenz, Frau Prof. Wanka, die Spitzen der Vertragspartner nach § 12 TPG (Spitzenverband Bund der Krankenkassen, Bundesärztekammer, Deutsche Krankenhausgesellschaft) zusammengetroffen, um sich über den derzeitigen Erkenntnisstand im Hinblick auf Vorkommnisse in den Transplantationszentren der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitätsklinikums Regensburg zu unterrichten und gemeinsam mit dem Präsidenten von Eurotransplant und dem Präsidenten der Deutschen Transplantationsgesellschaft, dem Vorstand der DSO und dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung Maßnahmen zu beraten.
MITTEILUNG Bundesministerium für Gesundheit 27.08.12
Anm.: Dort sind alle geplanten Maßnahmen aus erster Hand aufgelistet.

Kontrolle, Aufsicht und Transparenz verbessern
Sämtliche Phasen einer Organtransplantationen müssen künftig besser überwacht und überprüft werden. Darin sind sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sowie Vertreter der Bundesländer und aus dem Gesundheitsbereich einig.
MITTEILUNG Bundesregierung 27.08.12

Schluss mit den Ammenmärchen bei Organspenden
"Die Entscheidungen über die Vergabe, Organisation und Verwaltung der Organspende muss der öffentlichen Kontrolle unterliegen. Und, nein, Herr Montgomery: Diese öffentliche Lösung ist nicht gleich eine Verstaatlichung.
PRESSEMITTEILUNG Martina Bunge, MdB, DIE LINKE. im Bundestag 27.08.12

Beim Spitzentreffen zum Organspende-Skandal muss alles umfassend auf den Prüfstand
„Für das heutige Spitzentreffen und für alle weiteren politischen Überlegungen zum Transplantationssystem muss gelten: Vorab-Festlegungen auf kleine kosmetische Korrekturen sind fehl am Platze. Alle Regelungen, von der Organvergabe bis hin zum Kontroll- und Prüfsystem, müssen auf den Prüfstand!
PRESSEMITTEILUNG Kathrin Vogler MdB, DIE LINKE. im Bundestag 27.08.12

Prüfberichte von Allokationsauffälligkeiten veröffentlicht
In den Jahren 2000 bis 2011 wurden in Deutschland 50.739 Organtransplantationen an Eurotransplant gemeldet (43.536 Postmortalspende, 7.203 Lebendorganspende).
MITTEILUNG Bundesärztekammer 27.08.12

Transplantationen: Jahresberichte von Prüfungs- und Überwachungskommission veröffentlicht
Berlin. Vor dem Hintergrund der bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Manipulation von Patientendaten in den Transplantationszentren Göttingen und Regensburg haben die Überwachungskommission und die Prüfungskommission, in gemeinsamer Trägerschaft von GKV-Spitzenverband, Deutscher Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer, einstimmig und im Einvernehmen mit den Trägerinstitutionen entschieden, den parlamentarischen Verantwortungsträgern alle „Jahresberichte“ seit Einsetzung der beiden Kontrollgremien zur Verfügung zu stellen.
MITTEILUNG Bundesärztekammer 27.08.12

Offenbar kaum Unregelmäßigkeiten bei der Organspende
Bundesärztekammer-Präsident: Vorfälle von Regensburg und Göttingen waren "Einzelfälle"
DEUTSCHLANDRADIO 27.08.12

"In Deutschland gibt es keine Organmafia"
Bundesärztekammerpräsident Montgomery über den Organspendeskandal
Das Gespräch führte Dirk Müller
DEUTSCHLANDFUNK 27.08.12

"Mal kurzfristig vom Netz nehmen"
Montgomery zu Organspende-Skandal
TAZ 27.08.12

DGCH positioniert sich zu Transplantationsmedizin
Berlin – Um die Situation der Organspende in Deutschland im Sinne der Patienten zu stärken, hat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) jetzt Empfehlungen zur Transplantationschirurgie erarbeitet. Die Fachgesellschaft verurteilt jegliche Form betrügerischer Manipulationen bei der Verteilung von Spenderorganen und unterstützt in ihrer Stellungnahme ausdrücklich die Aufarbeitung und Untersuchung aller Verdachtsfälle.
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V. 27.08.12

Re-Organisation der Organspende gefordert
Wissenschaftler machen detaillierte Vorschläge zur Neuordnung der Koordinierung
PRESSEMITTEILUNG Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH 27.08.12
Anm.: Das hier beworbene Papier ist von 2006 und wird nun wieder ausgegraben, inkl. Idee der Widerrpuchslösung...

Organspende in Skandinavien: Betrugsfälle - schwer vorstellbar
Betrugsfälle bei der Organspende - in Norwegen und Schweden sind sie schwer vorstellbar. Norwegen setzt auf starke Kontrollen. Und es gibt nur ein Transplantationszentrum. In Schweden ist die Vergabe regional organisiert.
Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
TAGESSCHAU.DE 27.08.12

Nach Schädel-Hirn-Trauma: Nanopartikel verbessern Blutfluss
Houston – Eine neue Therapieoption für Patienten mit milden bis schwerwiegenden Hirnverletzungen haben Wissenschaftlern der Rice University in Zusammenarbeit mit dem Balyor College of Medicine im Tierversuch erkundet.
AERZTEBLATT.DE 27.08.12


26. August 2012

Rufe nach mehr Transparenz bei Organspende
Berlin – Vor dem Spitzentreffen zum Organspendeskandal im Bundesgesundheits­minis­terium am Montag fordern Bundesländer und Krankenkassen mehr Transparenz bei Organtransplantationen.
AERZTEBLATT.DE 26.08.12


25. August 2012

Organspendeskandal: Minister will Sonderkontrolleure in den Kliniken
SPIEGEL Online 25.08.12

Sonderkontrolleure für die Organspende?
Vorstoß von Gesundheitsminister Bahr
TAGESSCHAU.DE 25.08.12

Folge des Skandals in Göttingen und Regensburg: Minister will Kontrolleure bei Organspende
Von Eva Quadbeck
Berlin (RP). Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) drängt auf rasche Konsequenzen aus dem Organspendeskandal.
RP-Online 25.08.12

Interview mit Minister Bahr: "Auf die Praxisgebühr verzichten"
Berlin (RP). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) spricht im Interview mit unserer Redaktion über Konsequenzen aus dem Organspendeskandal und die Chancen, noch vor der nächsten Bundestagswahl die Praxisgebühr abzuschaffen.
RP-Online 25.08.12

Transplantationen: Spenderherzen gehen fast nur an Eil-Fälle
Der Hochdringlichkeitsstatus für Patienten in Lebensgefahr gilt als manipulationsanfällig.
ZEIT Online 25.08.12

Organspende: Kritik an der Vergabe von Spenderherzen
Von Timot Szent-Ivanyi
Bei der Verteilung von Spenderorganen gibt es neue Auffälligkeiten. Neun von zehn Spenderherzen werden inzwischen mit einem Verfahren an Organempfänger vergeben, das selbst die Ärzteschaft als manipulationsanfällig ansieht.
FRANKFURTER RUNDSCHAU 25.08.12

"Dieser Fall ist erschütternd"
Gegen Manipulationen bei Organspenden braucht es ein zusätzliches System der Überprüfung, sagt der Transplantationschirurg Eckhard Nagel
Interview Heike Haarhoff
TAZ 25.08.12

Organspende: Medizinethiker Nagel fordert schärfere Kontrollen
DOMRADIO 25.08.12


24. August 2012

Die Legende vom Einzelfall
Silvia Matthies
Organspende: Auch wenn nun abgewiegelt wird: Der Göttinger Skandal legt die Schwäche des Gesamtsystems offen, vor der die Politik die Augen verschließt
DER FREITAG 24.08.12


Weitere frühere Artikel und Meldungen finden Sie in der Presseschau Juli / August zu den Transplantationsskandalen.

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